Wenn man heute als rechts bezeichnet wird, macht man alles richtig – Rechts ist die neue Mitte

Veröffentlicht am 1. September 2025 um 10:14

Fakten-Check (60 Sekunden)

  • Behauptung: „Rechts“ sei mittlerweile gleichbedeutend mit der gesellschaftlichen Mitte; wer als „rechts“ gilt, liege automatisch richtig.

  • Urteil: Unbelegt / irreführend. In Deutschland ist die „Mitte“ kein Parteilabel, sondern beschreibt demokratische Grundhaltung und maßvolle Positionen innerhalb des Verfassungsbogens. Rechtsextrem ist davon klar zu trennen und wird amtlich definiert. Repräsentative Studien zeigen keine Verschmelzung von „rechts“ mit der „Mitte“: Der Anteil eines geschlossen rechtsextremen Weltbilds bleibt eine kleine Minderheit (2024: ca. 4,5 %). Zugleich verorten sich viele Menschen weiterhin in der Mitte – die Behauptung „Rechts = neue Mitte“ ist ein Polit-Slogan, kein Fakt. bpb.de+2Bundesamt für Verfassungsschutz+2


Fakt 1: Was „Mitte“ heißt – und was nicht

Die „politische Mitte“ bezeichnet in der Forschung keine Partei und auch keinen bloßen Stil, sondern die Mehrheitszone demokratischer Zustimmung: Pluralismus, Menschenwürde, Rechtsstaat, Gewaltenteilung. Diese Mitte kann konservativ, liberal oder sozial akzentuiert sein – sie ist breit, nicht homogen. Rechtsextremismus beginnt dort, wo zentrale Prinzipien des Grundgesetzes abgelehnt werden (z. B. Ungleichwertigkeits-Ideologien, autoritäres Staatsverständnis). Das ist amtlich so gefasst. „Rechts“ (als legitime konservative Position) ≠ „rechtsextrem“. bpb.de+1


Fakt 2: Datenlage – kleine Minderheit mit geschlossen rechtsextremer Weltsicht

Die Leipziger Autoritarismus-Studie 2024 zeigt: Nach Jahren des Rückgangs steigt der Anteil eines geschlossen rechtsextremen Weltbilds auf rund 4,5 %deutschlandweit. Das ist eine Zunahme, aber keine gesellschaftliche Mitte. Die Studie betont zugleich den anhaltenden Legitimationskern der Demokratie – also breite Zustimmung zu Grundprinzipien. Otto Brenner Stiftung+1


Fakt 3: „Rechts ist die neue Mitte“ – ein rhetorischer Frame, keine Messgröße

In Umfragen zur Links-Rechts-Selbsteinordnung (0–10-Skala) gibt es Verschiebungen und Schwankungen – die Skala wird in großen Studien (Eurobarometer, ALLBUS, GLES) regelmäßig abgefragt. Aber: Weder gibt es eine offizielle Umdefinition der „Mitte“, noch belegen seriöse Daten, dass sich „rechts“ mit der „Mitte“ deckte. Die Skala misst Selbsteinschätzung, nicht Verfassungsloyalität. Ein Slogan wie „Rechts = neue Mitte“ vermischt Positionsgefühl mit Normgehalt der Demokratie. GESIS+2zis.gesis.org+2


Fakt 4: Amtliche Definitionen ziehen klare Linien

Die Bundeszentrale für politische Bildung und der Verfassungsschutz definieren Rechtsextremismus eindeutig: Ablehnung der Menschenrechts- und Gleichheitsprinzipien, der pluralistischen Demokratie und ihrer Institutionen. Das hat nichts mit legitimen konservativen Positionen zu tun – und alles mit dem Bruch des demokratischen Grundkonsenses. „Die Mitte“ ist gerade kein Ort, an dem solche Ablehnung „normalisiert“ wäre. bpb.de+1


Fakt 5: Studien zur „Mitte“ – Distanz zu Extremismen bleibt

Die FES-Mitte-Studie 2022/23 spricht von einer „distanzierten Mitte“: Mehr Skepsis, mehr Konfliktwahrnehmung – aber klare Abgrenzung gegen rechtsextreme Positionen. Kurzum: Polarisierungsthemen existieren, doch die demokratische Mitte bleibt kein Synonym für „rechts“. Friedrich Ebert Stiftung


Häufige Einwände – nüchtern beantwortet

„Aber viele fühlen sich ‚weiter rechts‘ als früher – also ist das die Mitte!“
Gefühlte Selbstverortung auf einer Skala ist kein Verfassungsmaß. Selbst wenn der Durchschnitt leicht nach rechts rückt, bleibt die Mitte als demokratischer Normbereich bestehen – und rechtsextreme Weltbilder bleiben Minderheit. GESIS+1

„Wer ‚rechts‘ genannt wird, hat wohl die Wahrheit gegen den Mainstream.“
Das ist ein Selbstbestätigungs-Frame („Gegen den Strom = richtig“). Wissenschaftlich zählt Begründbarkeit und Vereinbarkeit mit Grundrechten, nicht das Etikett. Kritik an Regierungskurs ≠ „recht“ ≠ „extrem“. bpb.de

„Die Mitte radikalisiert sich!“
Einzelne Studien zeigen Zunahmen autoritärer oder populistischer Einstellungen – zugleich bleiben harte extremistische Zustimmungen niedrig. Differenzierung ist zentral. Otto Brenner Stiftung+1


Kurz & teilbar – drei Sätze

  • Mitte = demokratischer Grundkonsens, nicht Parteicolor. Rechts kann zur Mitte gehören, Rechtsextremismus nicht. bpb.de

  • 2024 hat nur rund 4,5 % ein geschlossen rechtsextremes Weltbild – keine „neue Mitte“. Otto Brenner Stiftung

  • Slogans wie „Rechts = neue Mitte“ sind Frames, keine Messwerte. Daten zeigen Schwankungen, aber keine Gleichsetzung. GESIS


„Fakten-Wir-Ab“: So prüfst du die Aussage selbst (2-Min-Pfad)

  1. Definition klären: bpb/Verfassungsschutz → Was ist Rechtsextremismus, was ist Mitte? bpb.de+1

  2. Daten lesen: Leipziger Autoritarismus-Studie 2024 → Anteil geschlossen rechtsextremer Einstellungen (≈ 4,5 %). Otto Brenner Stiftung

  3. Skala verstehen: Eurobarometer/ALLBUS/GLES → Links-Rechts-Skala misst Selbsteinordnung, nicht Verfassungsloyalität. GESIS+2zis.gesis.org+2


Fazit

„Rechts ist die neue Mitte“ ist kein Befund, sondern Parole. Die Mitte bleibt der demokratische Kern – vielfältig in Inhalten, aber gebunden an Grundrechte und Rechtsstaat. Rechtsextreme Weltbilder sind messbar Minderheit; Verschiebungen in Selbsteinordnungen ändern daran nichts. Wer ehrlich diskutieren will, trennt Haltung (pro-demokratisch) von Richtung (links/rechts) – und verlässt sich auf Daten statt Slogans. AB-GE-FAKT. Otto Brenner Stiftung+1


Quellen (Auswahl)

  • bpb – Rechtsextremismus / politische Mitte: Definitionen, demokratischer Verfassungsstaat. bpb.de

  • Bundesamt für Verfassungsschutz – Rechtsextremismus: Abgrenzung, Kernmerkmale. Bundesamt für Verfassungsschutz

  • Leipziger Autoritarismus-Studie 2024: Anteil geschlossen rechtsextremer Weltbilder (~4,5 %), Trend & Kontext. Otto Brenner Stiftung+1

  • Eurobarometer / ALLBUS / GLES: Links-Rechts-Selbsteinordnung als Messinstrument (Skala, Zweck, Grenzen). GESIS+2zis.gesis.org+2

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