FACT-Check (60 Sekunden)
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Behauptung: Wenn „Remigration“ (Rückführung/Abwanderung großer Teile von Migrant:innen) umgesetzt wird, löst sich Deutschlands Arbeitslosigkeit.
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Urteil: Falsch. Deutschland hat gleichzeitig Millionen offene Stellen und demografische Abgänge. Migration deckt nachweislich Personalbedarf; ein massiver Abbau würde Engpässe verschärfen – nicht Arbeitslosigkeit „lösen“. IAB+2Destatis+2
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Ein-Satz-Takeaway: Arbeitslosigkeit ist primär ein Matching-Problem (Qualifikation, Region, Branche) – nicht durch „Remigration“ zu beheben. IAB
Die 5 wichtigsten Fakten
1) Offene Stellen ≠ keine Arbeit – es fehlt passendes Personal
Im 2. Quartal 2025 meldet das IAB rund 1,06 Mio. offene Stellen. Das ist weniger als 2024, aber weiterhin enorm – ein klarer Hinweis auf Arbeitskräftemangel quer durch Branchen. IAB+1
2) Demografie: Abgänge auf Rekordniveau
Über 8 Mio. der knapp 35 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind 55+ und gehen in den nächsten 10–12 Jahren in Rente. Zusätzlich erreichen laut Destatis 13,4 Mio. Erwerbspersonen in den nächsten 15 Jahren das gesetzliche Rentenalter. Weniger Köpfe = weniger Wirtschaftsleistung, wenn nicht ersetzt. Doku IAB+1
3) Migration stabilisiert Beschäftigung – nachweislich
Zwischen 2015 und 2024 stieg die Zahl SV-pflichtig Beschäftigter um ~4 Mio.; 2,7 Mio. davon entfielen auf ausländische Beschäftigte. Ohne sie „würde es in vielen Berufen eng“. In Engpassfeldern (Pflege, IT, Handwerk) sind sie längst systemrelevant. IAB-Forum
4) Anteil Migrant:innen in Jobs ist hoch – und wächst
2024 hatten 15,3 % der SV-Beschäftigten eine ausländische Staatsangehörigkeit; in IT-Berufen sind es 15 %. In vielen Teams tragen sie das Wachstum. Remigration würde Lücken reißen, nicht Probleme lösen. Institut der deutschen Wirtschaft (IW)+1
5) Arbeitslosigkeit ist heterogen – „Wegschieben“ löst keine Ursachen
Ja, der Anteil Ausländer:innen an den Arbeitslosen ist überproportional. Gleichzeitig zeigt die BA: nur jeder Vierte Arbeitslose hat eine ausländische Staatsangehörigkeit – drei Viertel sind Deutsche. Qualifikations-, Sprach- und Regionalmismatch, Konjunktur und Strukturwandel bleiben bestehen – auch ohne Migration. Statistik der Bundesagentur für Arbeit
Kontext: Wo stehen wir gerade?
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Arbeitslose: August 2025: 3,03 Mio. (Quote 6,4 %). Das ist konjunktur- und saisongetrieben – kein „Migrationseinzeleffekt“. Bundesagentur für Arbeit+1
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Unbesetzte Jobs: Trotz Delle weiterhin >1 Mio. – die Wirtschaft findet vielerorts keine passenden Leute. IAB
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Fachkräftelücke wächst: IW prognostiziert bis 2028 eine Lücke von ~768.000 Fachkräften – zusätzliche Hürden ohne Zuwanderung. Institut der deutschen Wirtschaft (IW)+1
Warum „Remigration“ die Rechnung verschlechtert
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Weniger Personal, mehr Engpass: Pflege, Bau, Logistik, IT verlieren tragende Kapazitäten. Versorgung und Wertschöpfung leiden. DIE WELT+1
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Mismatch bleibt: Wer heute arbeitslos ist, passt oft nicht genau auf offene Stellen (Abschluss, Anerkennung, Region). Remigration beseitigt diesen Mismatch nicht. IAB
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Demografie schlägt doppelt zu: Abgänge + „Remigration“ = kleinere Erwerbsbasis, geringere Steuern/Beiträge – höhere Last pro Kopf. Doku IAB+1
„Fakten-Wir-Ab“: So prüfst du die Behauptung selbst
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Schritt 1: Zahlenlage checken – Arbeitslose (BA-Presse), offene Stellen (IAB-Stellenerhebung). Bundesagentur für Arbeit+1
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Schritt 2: Demografie – Renteneintritte & Engpässe (Destatis, IW/KOFA). Destatis+1
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Schritt 3: Beitrag von Migrant:innen – Beschäftigtenzuwachs, Branchenbeispiele (IAB-Forum, BA, Destatis). IAB-Forum+1
Fazit
Die Parole „Remigration löst Arbeitslosigkeit“ ist eine simple Antwort auf ein komplexes Problem – und hält der Faktenprüfung nicht stand. Deutschland braucht bessere Vermittlung, Qualifizierung, Anerkennung, regionale Mobilität und gezielte Zuwanderung, um Arbeitslosigkeit zu senken und Engpässe zu schließen. AB-GE-FAKT: Wir schneiden das Geschwurbel ab – und lassen die Zahlen sprechen. IAB+2Destatis+2
Quellen (Auswahl)
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Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt August 2025; Migration-Dashboard. Bundesagentur für Arbeit+1
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IAB / IAB-Forum: Stellenerhebung Q2/2025; „Ohne ausländische Beschäftigte wird es eng“. IAB+1
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Destatis: Demografie/Fachkräfte-Fokus; Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte. Destatis+1
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IW/KOFA: Fachkräftelücke bis 2028, Branchenengpässe. Institut der deutschen Wirtschaft (IW)+1
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