„Remigration“ löst die Arbeitslosigkeit

Veröffentlicht am 13. September 2025 um 11:46

FACT-Check (60 Sekunden)

  • Behauptung: Wenn „Remigration“ (Rückführung/Abwanderung großer Teile von Migrant:innen) umgesetzt wird, löst sich Deutschlands Arbeitslosigkeit.

  • Urteil: Falsch. Deutschland hat gleichzeitig Millionen offene Stellen und demografische Abgänge. Migration deckt nachweislich Personalbedarf; ein massiver Abbau würde Engpässe verschärfen – nicht Arbeitslosigkeit „lösen“. IAB+2Destatis+2

  • Ein-Satz-Takeaway: Arbeitslosigkeit ist primär ein Matching-Problem (Qualifikation, Region, Branche) – nicht durch „Remigration“ zu beheben. IAB


Die 5 wichtigsten Fakten

1) Offene Stellen ≠ keine Arbeit – es fehlt passendes Personal

Im 2. Quartal 2025 meldet das IAB rund 1,06 Mio. offene Stellen. Das ist weniger als 2024, aber weiterhin enorm – ein klarer Hinweis auf Arbeitskräftemangel quer durch Branchen. IAB+1

2) Demografie: Abgänge auf Rekordniveau

Über 8 Mio. der knapp 35 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind 55+ und gehen in den nächsten 10–12 Jahren in Rente. Zusätzlich erreichen laut Destatis 13,4 Mio. Erwerbspersonen in den nächsten 15 Jahren das gesetzliche Rentenalter. Weniger Köpfe = weniger Wirtschaftsleistung, wenn nicht ersetzt. Doku IAB+1

3) Migration stabilisiert Beschäftigung – nachweislich

Zwischen 2015 und 2024 stieg die Zahl SV-pflichtig Beschäftigter um ~4 Mio.; 2,7 Mio. davon entfielen auf ausländische Beschäftigte. Ohne sie „würde es in vielen Berufen eng“. In Engpassfeldern (Pflege, IT, Handwerk) sind sie längst systemrelevant. IAB-Forum

4) Anteil Migrant:innen in Jobs ist hoch – und wächst

2024 hatten 15,3 % der SV-Beschäftigten eine ausländische Staatsangehörigkeit; in IT-Berufen sind es 15 %. In vielen Teams tragen sie das Wachstum. Remigration würde Lücken reißen, nicht Probleme lösen. Institut der deutschen Wirtschaft (IW)+1

5) Arbeitslosigkeit ist heterogen – „Wegschieben“ löst keine Ursachen

Ja, der Anteil Ausländer:innen an den Arbeitslosen ist überproportional. Gleichzeitig zeigt die BA: nur jeder Vierte Arbeitslose hat eine ausländische Staatsangehörigkeit – drei Viertel sind Deutsche. Qualifikations-, Sprach- und Regionalmismatch, Konjunktur und Strukturwandel bleiben bestehen – auch ohne Migration. Statistik der Bundesagentur für Arbeit


Kontext: Wo stehen wir gerade?

  • Arbeitslose: August 2025: 3,03 Mio. (Quote 6,4 %). Das ist konjunktur- und saisongetrieben – kein „Migrationseinzeleffekt“. Bundesagentur für Arbeit+1

  • Unbesetzte Jobs: Trotz Delle weiterhin >1 Mio. – die Wirtschaft findet vielerorts keine passenden Leute. IAB

  • Fachkräftelücke wächst: IW prognostiziert bis 2028 eine Lücke von ~768.000 Fachkräften – zusätzliche Hürden ohne Zuwanderung. Institut der deutschen Wirtschaft (IW)+1


Warum „Remigration“ die Rechnung verschlechtert

  1. Weniger Personal, mehr Engpass: Pflege, Bau, Logistik, IT verlieren tragende Kapazitäten. Versorgung und Wertschöpfung leiden. DIE WELT+1

  2. Mismatch bleibt: Wer heute arbeitslos ist, passt oft nicht genau auf offene Stellen (Abschluss, Anerkennung, Region). Remigration beseitigt diesen Mismatch nicht. IAB

  3. Demografie schlägt doppelt zu: Abgänge + „Remigration“ = kleinere Erwerbsbasis, geringere Steuern/Beiträge – höhere Last pro Kopf. Doku IAB+1


„Fakten-Wir-Ab“: So prüfst du die Behauptung selbst

  • Schritt 1: Zahlenlage checken – Arbeitslose (BA-Presse), offene Stellen (IAB-Stellenerhebung). Bundesagentur für Arbeit+1

  • Schritt 2: Demografie – Renteneintritte & Engpässe (Destatis, IW/KOFA). Destatis+1

  • Schritt 3: Beitrag von Migrant:innen – Beschäftigtenzuwachs, Branchenbeispiele (IAB-Forum, BA, Destatis). IAB-Forum+1


Fazit

Die Parole „Remigration löst Arbeitslosigkeit“ ist eine simple Antwort auf ein komplexes Problem – und hält der Faktenprüfung nicht stand. Deutschland braucht bessere Vermittlung, Qualifizierung, Anerkennung, regionale Mobilität und gezielte Zuwanderung, um Arbeitslosigkeit zu senken und Engpässe zu schließen. AB-GE-FAKT: Wir schneiden das Geschwurbel ab – und lassen die Zahlen sprechen. IAB+2Destatis+2


Quellen (Auswahl)

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