Die Politik der SPD hat ihre Basis verloren.

Veröffentlicht am 16. September 2025 um 18:33

Fakten-Check (60 Sekunden)

  • Behauptung: Die SPD habe „ihre Basis“ verloren.

  • Urteil: Zu pauschal.

    • Ja: Bei Europa 2024 fuhr die SPD ihr schwächstes EU-Ergebnis ein (13,9 %) und schnitt bei jungen Wähler:innen und Arbeiter:innen besonders schwach ab. forschungsgruppe.de

    • Nein: Regional bleibt die SPD stark – z. B. Hamburg 2025 klar gewonnen (≈ 33,5 %) und Brandenburg 2024 Erster (30,9 %). Das ist kein flächendeckender Basisverlust. Wahlen Hamburg+2ZDF+2

    • Trend: National liegt die SPD im zweistelligen Bereich und verliert in industriellen West-Regionen (NRW-Kommunalwahl 2025 nur ~22 %) – Milieus verschieben sich, aber die Partei ist nicht entkernt. Reuters


Fakt 1: „Basis“ ist mehr als ein Balken – Milieus sind unterschiedlich

Die SPD wird traditionell mit Arbeiter:innen, Gewerkschaften, kommunaler Verankerung verbunden. Seit Agenda 2010 diskutiert die Forschung eine Entfremdung einzelner Kernklientele – die Partei betont seither wieder Mindestlohn, Rente, Soziales als Markenkern. „Basis“ ist dabei kein Monoblock, sondern ein Bündel von Milieus (alt/neu, Stadt/Land, öffentlich/privat). bpb.de


Fakt 2: Europawahl 2024 – klare Schwächen bei Jüngeren und Arbeiter:innen

Die Forschungsgruppe Wahlen zeigt:

  • SPD gesamt 13,9 % (historischer Tiefstwert).

  • 16–24 Jahre: SPD 9 %; deutlich unterdurchschnittlich.

  • Arbeiter:innen: SPD ~14 %, AfD ~25 % – erkennbarer Aderlass im klassischen Lager.
    Das spricht für Selektivverluste, nicht automatisch für eine generelle Entkernung. forschungsgruppe.de


Fakt 3: Landes-/Kommunalebene – starke Inseln vs. schwache Zonen

  • Hamburg 2025: SPD ≈ 33,5 %, Sieg vor CDU/Grünen – auch bei Jungen stark (16–29: 26 %). Wahlen Hamburg+1

  • Brandenburg 2024: SPD 30,9 % und Erste. Wikipedia

  • NRW-Kommunalwahl 2025: SPD ~22 %, AfD stark wachsend – klassische Reviere erodieren. Reuters

Lesart: Die SPD verliert Teile ihrer alten West-/Industriebasis, behauptet sich aber städtisch und in einigen Ost-Ländern. Ein totaler „Basisverlust“ ist das nicht.


Fakt 4: Mitglieder – schrumpfend, aber weiterhin groß und mobilisierbar

  • Mitgliederstand (10. Apr. 2025): ca. 358.000 – weiterhin eine der größten Parteien. Wikipedia

  • Neumitglieder: 2024 15.599, Anfang 2025 bereits > 6.000 – Mobilisierung ist möglich, teils in Wahlkampf-Hochphasen. vorwärts


Fakt 5: Nationaler Trend – Dämpfer ja, Ende nein

Bundesweit liegt die SPD im zweistelligen Bereich, deutlich unter früheren Volkspartei-Niveaus. Kommunal in NRW 2025 schwach, aber gleichzeitig in Hamburg und Brandenburg führend. Fazit: Asymmetrische Lage statt „alles weg“. Reuters+2Wahlen Hamburg+2


Häufige Einwände – nüchtern beantwortet

„Die Jugend ist weg – damit ist die Basis weg.“
Die SPD ist bei Jungen schwach (EU 2024: 9 %), aber in Hamburg 2025 lag sie bei 16–29 bei 26 %. Jugend = heterogen, urban ≠ ländlich. forschungsgruppe.de+1

„Arbeiter wählen jetzt AfD – also ist die SPD-Basis tot.“
Ja, Arbeiter:innen tendierten bei EU 2024 auffällig zur AfD; zugleich halten öffentlicher Sektor/Ältere/Städte die SPD oben. Das ist Verschiebung, nicht Totalausfall. forschungsgruppe.de

„Mitglieder laufen davon.“
Die SPD ist weiterhin mitgliederstark (≈ 358 k) und kann Neuzugänge mobilisieren. Sinkende Gesamtzahlen ≠ fehlende Kampagnenfähigkeit. Wikipedia+1


„Fakten-Wir-Ab“: 2-Min-Selbstcheck

  1. Europawahl 2024 – Milieudaten (FGW: Alter/Beruf). forschungsgruppe.de

  2. Hamburg 2025 – amtliche Ergebnisse & Analysen. Wahlen Hamburg+1

  3. Brandenburg 2024 – Endergebnis. Wikipedia

  4. NRW 2025 – Kommunalwahltrend (SPD ~22 %, AfD stark). Reuters

  5. Mitgliederzahlen/Neuzugänge. Wikipedia+1


Kurz & teilbar – drei Sätze

  • Kein totaler „Basisverlust“: Die SPD verliert klassische Industrie-/Arbeiter-Milieus, punktet aber städtisch/älter/öffentlich – Ergebnisse sind regional gegensätzlich. forschungsgruppe.de+2Wahlen Hamburg+2

  • Belege: EU 2024 13,9 %, bei Jungen schwach; Hamburg 2025 klar gewonnen; NRW 2025 schwach. forschungsgruppe.de+2Wahlen Hamburg+2

  • Mitglieder: weiter hoch (≈ 358 k) mit Neuzugängen – die Partei bleibt organisationsstark. Wikipedia+1


Fazit

„Die SPD hat ihre Basis verloren“ ist ein Schlagwort, keine saubere Diagnose. Die Basis verschiebt sich: Verluste in Industrie-/Arbeitersegmenten und in Teilen des Westens, Stärke in Städten (Hamburg) und einigen Ost-Ländern (Brandenburg), plus breite Organisation. Wer Zukunftschancen der SPD bewerten will, muss Milieus und Regionen unterscheiden – nicht pauschalisieren. AB-GE-FAKT.

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