Asylsuchende nehmen den Deutschen die Zahnarzttermine weg

Veröffentlicht am 14. September 2025 um 11:46

Fakten-Check (60 Sekunden)

  • Behauptung: Asylsuchende blockieren Zahnarzttermine und verschärfen die Wartezeiten.

  • Urteil: Falsch. Asylsuchende haben in den ersten Jahren nur Anspruch auf akute Schmerz- und Notfallbehandlung, nicht auf Routine-Checks; Studien zeigen zudem, dass Geflüchtete seltener zahnärztliche Leistungen nutzen als die Gesamtbevölkerung. Engpässe entstehen primär durch Fachkräfte- und Kapazitätsmangel, nicht durch Asylsuchende. KZBV+4Gesetze im Internet+4kzvb.de+4


Fakt 1: Der Leistungsanspruch ist stark begrenzt

Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (§§ 4, 6 AsylbLG) werden in den ersten Aufenthaltsjahren ärztliche und zahnärztliche Behandlungen auf akute Erkrankungen und Schmerzzustände begrenzt; Zahnersatz oder Vorsorge erfolgen nur, wenn sie im Einzelfall unaufschiebbar bzw. zur Sicherung der Gesundheit erforderlich sind. Routineuntersuchungen gehören explizit nicht zum Standardanspruch. Gesetze im Internet+2kzvh.de+2

Was das praktisch heißt

In vielen Kommunen ist zusätzlich ein Behandlungsschein nötig oder – je nach Bundesland – eine elektronische Gesundheitskarte (eGK) für Asylsuchende. Beides sind Zugangshürden, keine Express-Pässe: erst Genehmigung bzw. Prüfung, dann Termin. Verbraucherzentrale.de+1


Fakt 2: Geflüchtete nutzen Zahnmedizin seltener – nicht häufiger

Aktuelle Public-Health-Daten zeigen eine deutlich geringere Inanspruchnahme zahnärztlicher Leistungen durch Geflüchtete gegenüber der Gesamtbevölkerung (teils > 30 Prozentpunkte Differenz). Auch universitäre Forschung bestätigt: Geflüchtete werden seltener zahnärztlich behandelt – das Narrativ „sie nehmen Termine weg“ hält den Daten nicht stand. edoc-Server+1


Fakt 3: Engpässe liegen am System – Fachkräfte, Kapazitäten, Struktur

Längere Wartezeiten resultieren vor allem aus Fachkräftemangel in Praxen, regionaler Unterversorgung und allgemeinen Kapazitätsgrenzen. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung warnt seit 2024 vor spürbaren Auswirkungen auf den Praxisalltag; Berufsmedien berichten über zunehmende Wartezeiten und Suche nach aufnehmenden Praxen – unabhängig von Asylmigration. KZBV+2Zahnärztliche Mitteilungen+2


Fakt 4: Verwaltungsrealität dämpft statt beschleunigt

Die eGK für Asylsuchende ist bislang nicht bundesweit flächendeckend umgesetzt. Studien und Verbände empfehlen sie zwar, um Bürokratie zu senken, faktisch bleibt der Zugang vielerorts umständlich – mit Behandlungsschein, Genehmigungen und eingeschränktem Leistungsumfang. Das entlastet keine Terminbücher – es bremst sie eher. AOK+1


Kurz & teilbar – drei Sätze für jedes Gespräch

  • Recht: Asylsuchende bekommen primär Schmerz- und Notfallbehandlung, keine regulären Routine-Checks. Gesetze im Internet

  • Daten: Geflüchtete nutzen Zahnärzte seltener als die Allgemeinbevölkerung – das Gegenteil der „Termine-weg“-Behauptung. edoc-Server+1

  • Ursache: Wartezeiten entstehen vor allem durch Fachkräftemangel und Kapazität, nicht durch Asylsuchende. KZBV


„Fakten-Wir-Ab“: So prüfst du die Behauptung selbst

  1. Gesetz lesen: AsylbLG § 4/§ 6 – welche Leistungen sind überhaupt drin? (Schmerz/akut, eng begrenzt). Gesetze im Internet

  2. Nutzung vergleichen: Public-Health-Berichte (RKI-Sonderausgabe) und Uni-Studien zur Inanspruchnahme. edoc-Server+1

  3. Systemlage checken: KZBV-Statements/Praxispanel zu Personal- und Kapazitätsmangel. KZBV+1


Fazit

Die Parole „Asylsuchende nehmen uns die Zahnarzttermine weg“ ist ein Mythos. Rechtslage, Daten und Versorgungspraxis zeigen das Gegenteil: begrenzter Anspruch, geringere Nutzung, systemische Engpässe. Wer ehrlich über Wartezeiten sprechen will, redet über Fachkräfte, regionale Versorgung, Bürokratie und faire Terminsteuerung – nicht über Sündenböcke. AB-GE-FAKT.

 

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